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Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V.


Wohngemeinschaften


Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften

Leben und begleitet werden in einem gemeinsamen "Zu-Hause"

WG-Leitfaden Leben wie ich bin
"Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften"

Die Broschüre kann zum Preis
von 6,- Euro + Porto bei uns bestellt werden.


1. Selbstorganisation der Mitglieder

2. Rolle des ambulanten Pflegedienstes

3. Wohnraum

4. Kostenstruktur für die Mitglieder der
Wohngemeinschaft

5. Schutzbedarf der Menschen in Wohngemeinschaften

Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg erhält seit Januar 2006 für 3 Jahre eine Projektförderung durch das Deutsche Hilfswerk (DHW-Die goldene Eins) zur Beratung und Begleitung von Angehörigen als Interessensvertreter von Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschafen.

Falls Sie Informationsbedarf bzw. konkrete Fragen haben und im Land Brandenburg wohnen, wenden Sie sich bitte an uns. Wir beraten Sie gerne >> Kontakt

 

 

1 Selbstorganisation der Mitglieder

1.1 Motivation für das Leben in einer Wohngemeinschaft

Für den Fall, dass Menschen mit Demenz alleine zu Hause oder bei Angehörigen nicht mehr leben können oder wollen, muss eine Entscheidung getroffen werden, in welchem Kontext sie in Zukunft leben und begleitet werden möchten. Neben dem Heim als lange Zeit einzige Alternative etablieren sich seit einigen Jahren Wohngemeinschaften, in denen in der Regel 6 bis 8 Personen in ganz normalen Mieträumen zusammenleben und von einem Pflegedienst rund um die Uhr ambulant betreut werden. Die Synergieeffekte des Zusammenlebens werden genutzt, um eine dauerhafte professionelle Begleitung (bis zu 24 Stunden täglich) auch in einem kleinen Rahmen durch berufliche Helfer zu ermöglichen.

Für Angehörige bzw. gesetzliche Betreuer haben diese Wohngemeinschaften etwas Bestechendes:

  • Im Gegensatz zum Heim lebt hier eine überschaubare Gruppe von Menschen mit dem gleichen Krankheitsbild zusammen.
  • Das Wohnumfeld entspricht dem bisher Gewohnten, der individuelle Wohnraum wird mit eigenen Möbeln eingerichtet, aber auch bei der Ausstattung der Gemeinschaftsräume können Angehörige mitgestalten.
  • Der Mensch mit Demenz kann ein Leben realisieren, das von möglichst großer individueller biografischer Normalität und Kontinuität geprägt ist.
  • Die Angehörigen sind von der Rund-um-die-Uhr-Belastung befreit.
  • Gleichzeitig müssen sie ihre Mitwirkung und Einflussnahme im Rahmen der Alltagsgestaltung sowie der Pflege und Betreuung nicht aufgeben. Sie bestimmen weiterhin mit bei der Auswahl der Mitmieter, bei der Alltagsgestaltung, bei der Zusammenstellung und Zubereitung des Essens, bei der Beauftragung des Pflegedienstes etc..

Vor einer Entscheidung für Heim oder für Wohngemeinschaft sollten sich die Verantwortlichen sehr genau über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren. Im Gegensatz zum Heim bleiben sie, wie zuvor in der eigenen Wohnung, in der vollen Verantwortung was die Organisation des Alltags, einschließlich der Pflege und Betreuung betrifft. Die gesetzlichen Betreuer sind es, die den oder die Pflegedienst(e) beauftragen und damit auch die Kontrolle ausüben. Da es sich um eine ambulante Wohnform handelt greift hier das staatliche Organ "Heimaufsicht" nicht.

Die gesetzlichen Betreuer müssen sich also vor der Entscheidung für eine Wohngemeinschaft fragen, ob sie bereit und in der Lage sind, weiterhin grundsätzlich die Verantwortung für alle Angelegenheiten des Menschen mit Demenz zu tragen und dazu noch eine sich aus dem Zusammenleben ergebende gemeinschaftsorientierte Verantwortung zu übernehmen. Im Einzelfall können Teile dieser Verantwortung auch delegiert werden (entfernte Verwandte, Freunde, Nachbarn).

1.2 Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft nach innen und außen

Um als Gemeinschaft nach innen und außen handlungsfähig zu sein und um die sich aus dem Zusammenleben ergebende Verantwortung wahrnehmen zu können, müssen sich die Vertreter der Mitglieder der Wohngemeinschaft regelmäßig zusammenfinden. Empfehlenswert ist, sie schließen sich formal zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Dieser formale Zusammenschluss kann beispielsweise durch eine förmliche Vereinbarung (Anlage?) und/oder durch den Zusammenschluss in einer Rechtsform (Verein, GbR) erfolgen.

Mit dieser förmlichen Vereinbarung der Mitglieder der Wohngemeinschaft bzw. deren bevollmächtigten Angehörigen oder gesetzlichen Vertretern wird belegbar, dass die Mitglieder alle ihre Angelegenheiten auch in gemeinschaftlichem Bezug selbständig regeln und gestalten.

Im Rahmen der Gestaltung des Alltags ergeben sich Regelungsbedarfe in Bezug auf:

  • die Anschaffung von Lebensmitteln und anderen Verbrauchsgütern,
  • die Führung einer Haushaltskasse,
  • die Art und Gestaltung der Mahlzeiteneinnahme,
  • die Tagesgestaltung in der Gemeinschaft,
  • die gerechte finanzielle Beteiligung aller (auch neuer) Mitglieder bei der gemeinsamen Anschaffung von Möbeln und anderen Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen,
  • die gerechte Beteiligung aller (auch neuer) Mitglieder im Rahmen von Schönheitsreparaturen und Renovierungsarbeiten im gemeinschaftlich genutzten Wohnraum,
  • die Nutzung des Wohnraums,
  • den Abschluss von Versicherungen,
  • Vereinbarungen mit dem Vermieter des Wohnraums,
  • die Beteiligung Einzelner bei der Pflege und Betreuung,
  • die Beauftragung eines Pflegedienstes oder mehrerer Pflegedienste.

Darüber hinaus entscheidet die Interessengemeinschaft, wer in die Wohngemeinschaft einzieht. Dabei wird sie auf Wunsch von dem oder den Pflegedienst(en) fachlich beraten. Der Einzug eines neuen Mitglieds wird mit dem Vermieter abgestimmt.

1.3 Mitglieder der Wohngemeinschaft als Mieter

In erster Linie sind die Mitglieder der Wohngemeinschaft Mieter. Dabei schließen sie bzw. deren Vertreter mit dem Vermieter Einzelmietverträge ab. Durch den Abschluss von Einzelmietverträgen wird eine gesamtschuldnerische Haftung der einzelnen Mieter ausgeschlossen.

Als Mieter liegt wie in jedem anderen Wohn- und Mietverhältnis das "Haus-Recht" bei ihnen.

Wer Hausherr ist, ist in der Regel daran erkennbar, wer die Schlüsselgewalt besitzt. Ob die Angehörigen bzw. die gesetzlichen Vertreter über Schlüssel verfügen, entscheiden diese - wie in jedem Privathaushalt - selbst. Ob dem Pflegedienst ein Haus-, Wohnungs- und Zimmerschlüssel zur Verfügung stehen soll, liegt ebenfalls in der Entscheidung der Mitglieder bzw. ihrer Vertreter.

1.4 Kundensouveränität in der Beziehung zum ambulanten Pflegedienst

Die Beauftragung eines Pflegedienstes erfolgt zunächst - wie im Rahmen der ambulanten Pflege üblich - per Pflegevertrag zwischen dem einzelnen Mitglied der Wohngemeinschaft und einem ambulanten Pflegedienst. In dem Pflegevertrag wird der individuelle Hilfebedarf anhand der in den einzelnen Bundesländern ausgehandelten Leistungskomplexe festgestellt.

Vor dem Hintergrund des gemeinsamen Interesses der Gemeinschaft, eine möglichst hohe zeitliche und fachliche Kontinuität im Rahmen der Pflege und Betreuung sicher zu stellen, und dabei Synergieeffekte zu nutzen, vereinbart sich die Gemeinschaft in der Regel dahin gehend, alle denselben Pflegedienst zu beauftragen. Im Einzelfall werden auch mehrere Pflegedienste ausgewählt.

Die Auswahl eines oder mehrerer Pflegedienste(s) erfolgt vor dem Hintergrund spezifischer Kriterien:

  • Das Pflegekonzept berücksichtigt die qualitativen Anforderungen der Begleitung von Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften
  • Die in der Wohngemeinschaft eingesetzten Mitarbeitenden sind befähigt, den besonderen Anforderungen der Begleitung von Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften zu entsprechen.
  • Der oder die Pflegedienst(e) sichert/sichern die Anwesenheit der vor dem Hintergrund des Leistungsumfangs erforderlichen Anzahl von Mitarbeitenden in der Wohngemeinschaft über täglich 24 Stunden ab.
  • Der oder die Pflegedienst(e) achtet/achten darauf, dass möglichst immer dieselben Mitarbeitenden in der Pflege und Betreuung der Mitglieder der Wohngemeinschaft eingesetzt werden.

Die Gemeinschaft überprüft regelmäßig die Qualität der ambulanten Leistungserbringung und sieht bei entsprechender Unzufriedenheit vor, den oder die Pflegedienst(e) zu wechseln. Die Entscheidungen für oder gegen einen Pflegedienst werden im Rahmen des in der Gemeinschaft vereinbarten erforderlichen Mehrheitsverhältnisses getroffen.

1.5 Engagement des sozialen Umfelds des Mitglieds im Rahmen des Pflege- und Betreuungsprozesses

Ein Engagement der Angehörigen und/oder Betreuer hinsichtlich der Alltagsgestalltung bis hin zu pflegerischen Maßnahmen ist sowohl bezogen auf das einzelne Mitglied als auch insgesamt auf die Gemeinschaft äußerst wünschenswert und zudem kostensenkend. Ein Engagement für die Gemeinschaft sollten die Angehörigen und Betreuer untereinander abstimmen.

Folgende Begleitangebote können beispielsweise von Angehörigen und/oder Betreuern durchgeführt werden:

  • Freizeitangebote (Gespräche führen, (vor-)lesen, gemeinsam Zeitung lesen, gemeinsam fernsehen, singen, allgemein kreatives Gestalten, Spazieren gehen, ausrichten von Feierlichkeiten)
  • Alltagshandlungen (Zimmerreinigung, Wäschepflege, Einkauf, Mitwirkung bei Nahrungszubereitung, Begleitung der Nahrungsaufnahme)
  • Regelung von Behördenangelegenheiten und Arztbesuchen
  • Unterstützung bei der Körperpflege

Ideal wäre, wenn sich die Angehörigen und Betreuer der Mitglieder der Wohngemeinschaft zu einem kontinuierlichen und verbindlichen Engagement verpflichten. Dieses Engagement ist selbstverständlich davon abhängig, in welchem Maße diesen eine Mitwirkung möglich ist.

 

2 Rolle des ambulanten Pflegedienstes

2.1 Pflegedienst als Dienstleister

Die Wohngemeinschaft selbst stellt keine Organisationsform (Einrichtung) eines Pflegedienstes dar, sondern ist als Wohn- und Lebensform ihrer Mitglieder zu verstehen. Die ambulante Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz in einer Wohngemeinschaft ist somit strukturell identisch mit dem Angebot der häuslichen Pflege im Einzelhaushalt.

Da der Pflegedienst (evtl. in Kooperation mit anderen Pflegediensten) verschiedene Pflegeaufträge in einer Wohnung zu erfüllen hat, kann seine Anwesenheit über mehrere Stunden (bis zu 24 Stunden) des Tages sicher gestellt werden.

Der oder die beauftragten Pflegedienst(e) nehmen formal die Rolle als Dienstleister wahr.

In der Phase der Gründung einer Wohngemeinschaft übernehmen sie allerdings in der Regel ergänzend die Rolle der vorbereitenden Organisatoren. Sie sind häufig an der Auswahl des Wohnraums beteiligt und stellen die formalen Rahmenbedingungen der Leistungserbringung sicher. Studien belegen, dass nicht einmal 10% der bundesweit bestehenden Wohngemeinschaften von Angehörigengruppen oder anderen Selbsthilfegruppen initiiert werden (Bertelsmann Stiftung/ Kuratorium Deutsche Altershilfe, 2004).

Spätestens nach Abschluss der Gründungsphase hat sich der Pflegedienst jedoch auf seine Rolle als Anbieter ambulanter Pflege- und Betreuungsleistungen zurück zu ziehen.

2.2 Leistungserbringung innerhalb der Wohngemeinschaft

Art und Umfang der Leistungserbringung der häuslichen Pflege in der Wohngemeinschaft ergeben sich aus dem tatsächlichen Hilfebedarf, der im Rahmen der Pflegeplanung unter Einbeziehung der Mitglieder und ihres persönlichen sozialen Umfelds ermittelt und vereinbart wird.

Die Leistungserbringung des ambulanten Pflegedienstes umfasst folgende Handlungsfelder:

  1. Alltagsbegleitung / Soziale Betreuung,
  2. Hauswirtschaft,
  3. Grundpflege,
  4. Behandlungspflege und
  5. Steuerung des Pflege- und Betreuungsprozesses

2.3 Aufgaben und Rollen der Mitarbeitenden des Pflegedienstes

Die o.g. Handlungsfelder 1), 2), zum Teil auch 3) werden in der Regel von nicht-examinierten, aber speziell qualifizierten Pflegepersonen durchgeführt. Da konzeptionell die Förderung der selbständigen Alltagsgestaltung der Mitglieder im Vordergrund steht, lässt sich ihr Auftrag begrifflich als "Lebensbegleitung" zusammenfassen. Die Mitarbeitenden können als "Begleitpersonen" bezeichnet werden.

Examinierte Pflegepersonen werden ergänzend zur Verrichtung ärztlicher Delegationsleistungen eingesetzt. Darüber hinaus zeichnet eine examinierte Pflegeperson zusammen mit der Pflegedienstleitung verantwortlich für die Steuerung des Pflege- und Betreuungsprozesses.

Alle Mitarbeitenden verstehen sich als Gast in einer ihnen "fremden" Wohnung. Dies gilt im Rahmen der häuslichen Pflege an sich als selbstverständlich. Untersuchungen belegen allerdings, dass berufliche Begleiter im Rahmen von Angeboten der ambulanten Betreuung von Menschen in Wohngemeinschaften dazu neigen, eine "Hausherren-Rolle" einzunehmen. Das Hausherren-Prinzip wirkt sich dabei sowohl als fremdbestimmte Nutzung des Wohnraums sowie auf die Gestaltung des Tagesablaufs aus. Dabei kann unterstellt werden, dass die Mitarbeitenden in ihrem Handeln durchaus wohlwollend und in förderlicher Absicht motiviert sind. Die sich daraus ergebende Dominanz ist aber auch nicht durch diese Motivation zu rechtfertigen.

Es muss hier aber ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass nicht nur die Mitarbeitenden ihre Anteile an dieser Tendenz haben. Vielmehr wird diese Entwicklung dann begünstigt, wenn Mitglieder bzw. ihre Angehörigen und Betreuer sich häufig nur zurückhaltend bis überhaupt nicht in die Alltagsgestaltung sowie den Begleitprozess einbringen und nur bedingt Verantwortung im Rahmen des Zusammenlebens übernehmen. So bleibt den Mitarbeitenden häufig nichts anderes übrig, als eine Führungsrolle einzunehmen.

 

3 Wohnraum

Mitglieder der Wohngemeinschaft sind entweder selbst Eigentümer des Wohnraums oder Mieter der Wohnung. Bei ihnen liegt das Haus-Recht. Sie bestimmen über die Gestaltung des Wohnraums und legen fest, wer in der Wohnung als Mitglied sowie als Gast willkommen ist.

Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass sich räumliche Bedingungen auf die Lebensqualität von Menschen auswirken, ist zu empfehlen, die Gestaltung des Wohnraums auf die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz abzustimmen.

Es fällt allerdings schwer, hier verallgemeinbare förderliche Merkmale der Wohnraumgestaltung zu beschreiben. Im Einzelnen ist die Wohnraumgestaltung auf die jeweilig aktuellen Wohnbedürfnisse der Menschen sowie vor dem Hintergrund ihrer Wohnbiografie auszurichten. Dies gilt im Übrigen auch für die Auswahl des Wohnortstandortes.

Im Grundsatz gilt, Wohnlichkeit mit dem notwendige Maß an Funktionalität zu verknüpfen. Eine angemessene Funktionalität bezieht sich insbesondere auf die Anzahl und Ausstattung von gemeinschaftlichen Sanitär-und Wohnräumen, vor allem der Küche.

 

4 Kostenstruktur für die Mitglieder der Wohngemeinschaft

Für die Mitglieder der Wohngemeinschaft entstehen Kosten, die sich in vier Kategorien unterteilen lassen:

  1. Wohnraumkosten (Miete, Mietnebenkosten, Instandhaltung)
  2. Kosten für die Verpflegung
  3. Kosten für Verbrauchsgüter und Ausstattung
  4. Kosten für die Pflege- und Betreuungsleistungen

Die Mietkosten jedes einzelnen Mitglieds ergeben sich aus der Fläche des persönlich genutzten Wohnraums sowie anteilig aus den gemeinschaftlich genutzten Wohnflächen. Mietnebenkosten ergeben sich je nach Berechnungsgrundlage aus Verbrauchs- und/oder Flächenanteilen.

Die Kosten für von den Mietern zu erbringende Instandhaltung sollte zumindest für die Gemeinschaftsflächen durch die Einrichtung eines gemeinsamen Pools sicher gestellt werden, in den alle Mitglieder laufend einzuzahlen haben. Nur so kann eine paritätische Beteiligung aller Nutzer sicher gestellt werden.

Die Finanzierung für Verbrauchsgüter und Ausstattung des Wohnraums sollten in einem entsprechenden System sicher gestellt werden.

Zur Finanzierung der Verpflegung sollte eine Haushaltskasse eingeführt werden. Erfahrungsgemäß kann die Verpflegung mit einem Beitrag von 6 € je Mitglied und Tag sicher gestellt werden.

Die Kosten der häuslichen Pflegeleistungen sowie hauswirtschaftlicher Dienstleistungen sind entsprechend der Leistungskomplexe gem. § 14 (4) und §§ 45a und 45b SGB XI abzurechnen. In der Regel reichen die Leistungen der Pflegekasse nicht aus, um alle erforderlichen Leistungen, insbesondere die der sozialen Betreuung, abzudecken. Die sich vor dem Hintergrund individueller Leistungsbedarfe ergebenden Mehrkosten haben die Mitglieder in Eigenleistung zu tragen. Im Falle der Bedürftigkeit der Mitglieder können Leistungen im Sinne der §§ 61 ff. und § 65 SGB XII beim örtlichen Sozialhilfeträger beantragt werden. Theoretisch möglich ist auch die Einbeziehung der Eingliederungshilfe gem. §§ 53 ff. SGB XII.

Wünschenswert ist, dass der ambulante Pflegedienst ein Leistungskonzept erstellt und auf dieser Grundlage eine Leistungs- und Qualitätsvereinbarung mit dem Sozialhilfeträger abgeschlossen wird.

Eine Pauschalierung von Leistungen (Tagespauschale) widerspricht grundsätzlich dem Grundsatz ambulanter Pflege, nach dem die pflegerischen Maßnahman aufgrund des jeweils individuellen Hilfebedarfs zu ermitteln und anzupassen sind. Sie stehen der Wahlmöglichkeit von Leistungen durch die Angehörigen entgegen.

 

5 Schutzbedarf der Menschen in Wohngemeinschaften

5.1 Zuständigkeit des Heimgesetzes

Ordnungsrechtlich stellt sich die Frage, ob Menschen - insbesondere Menschen mit Demenz - in Wohngemeinschaften, die durch einen ambulanten Pflegedienst bis zu 24 Stunden täglich begleitet werden, in eine strukturelle Abhängigkeit geraten, die einen Schutz durch staatliche Aufsichtsbehörden erforderlich macht.

In der Regel wird davon ausgegangen, dass ein hoheitlicher Schutzbedarf nicht gegeben ist, wenn das einzelne Mitglied einer Wohngemeinschaft dem Pflegedienst gegenüber als souveräner Kunde auftreten kann. Es muss rechtlich und tatsächlich die Freiheit haben, den Pflegedienst zu wechseln, ohne hierfür sein gemietetes Zuhause verlassen zu müssen. Weiter wird davon ausgegangen, dass dieses Wahlrecht auch als Gemeinschaft wahrgenommen werden kann. Dies setzt voraus, dass eine Eigeninteressenvertretung realisiert wird. Deren Wirksamkeit wird durch einen förmlich vereinbarten und tatsächlich handlungsfähigen Zusammenschluss als Gemeinschaft sicher gestellt.

Sind die Merkmale der strukturellen Unabhängigkeit vom Dienstleister objektiv nicht zu erkennen, wird der Bedarf des ordnungsrechtlichen Schutzes unterstellt. Die Heimaufsicht müsste feststellen, dass der Pflegedienst ein Pflegeheim betreibt. Das Heimgesetz sowie alle weiteren relevanten Rechtsvorschriften kämen zur Anwendung.

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Der Artikel ist ein Ausschnitt aus einem Leitfaden zur Struktur- und Prozessqualität für die "Ambulante Betreuung von Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften", den die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. im Juni 2005, unterstützt durch das Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, herausgegeben hat.

Bestelladresse (5,00 € plus Porto):
Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V.
Stephensonstr. 24-26
14482 Potsdam

Fax: 0331/ 740 90 08;
E-Mail: beratung@alzheimer-brandenburg.de

 

Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften
(nicht nur) für Menschen mit Demenz

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